Biografie von Ryszard Kapuściński - 


Biografie von Ryszard Kapuściński

Verfasser: Maciej Skórczewski
Übersetzt von Krzysztof Zakrzewski

Ryszard Kapuściński ist eine Legende der polnischen und weltweiten Reportage. Er wird oft als "ein Mensch, der das absolute Fingerspitzengefühl im Bereich des Nachrichtenwesens, Klimas und der Ereignisse besitzt" bezeichnet. Er hat eine unheimliche Fähigkeit das zu sehen, was für andere unsichtbar ist. Er verfügt über einen Reporterinstinkt, der ihn überall dort hinführt, wo etwas geschieht. Er kann vortrefflich die Umgebung beobachten und erforschen, wird schnell Teil des beobachteten Milieus und, dank seiner Neutralität, kann er völlig objektiv das beurteilen, was er sieht. Ryszard Kapuściński, Beruf: Reporter.

Er kam am 4. März 1932 in Pinsk zur Welt [Foto des Hauses...], in Polessien (heutiges Weißrussland). In den Jahren 1952-1956 studiert er an der Geschichtlichen Fakultät der Warschauer Universität. Nach dem Studium kehr er zur "Fahne der Jungen" zurück (er war da noch vor dem Abitur tätig). Die Arbeit in dieser Zeitung war eine wahre Schule für die Schreibfeder des jungen und talentierten Journalisten. Schon damals hat man seine Reporterfähigkeiten bemerkt. Seine Reportagen aus Nowa Huta (Arbeiterviertel in Krakau, entstanden nach 1945 – Anm. d. Ü.) gefielen sehr der damaligen Obrigkeit (als Belohnung bekommt er das Goldene Verdienstkreuz verliehen). Bald danach wird er auf seine erste Auslandsreise nach Peking geschickt. Er kommt jedoch frühzeitig zurück (Unruhen in Polen 1956) und manifestiert damit seine Solidarität mit der Redaktion der "Fahne der Jungen". Er wird mit der Entlassung bestraft. Kurze zeit danach wird er Redakteur in der Inlandsabteilung der "Polityka". Das Wochenblatt bietet ihm eine Arbeitsstätte, Kapuściński reist viel und schreibt. Seine Inlandsreportagen bringen ihm große Popularität. Den wahren Ruhm verschaffen ihm aber Berichterstattungen aus dem vom Bürgerkrieg befallenem Kongo (1958). Die Reise nach Afrika erweckte in ihm eine Vorliebe für das Reportagewesen, er fing an zu verstehen, was ihn insbesondere interessiert: „dass er von Ländern fasziniert ist, die erst zum Leben erwachen, von neuen Kontinenten, wo alles gerade erst errichtet wird, wo Elend und Hunger mit der Hoffnung auf ein besseres Morgen verflochten sind".

Das Literaturdebüt des schon damals wohlbekannten und geschätzten Reporters ist "Busch nach polnischer Art" aus dem Jahr 1962 - eine Reihe Inlandsreportagen. Im selben Jahr wird er zum Mitarbeiter der Polnischen Presseagentur (kurz PAP – Anm. d. Ü.). Im Auftrag der PAP wird er eben für sechs Jahre nach Afrika geschickt. Der Aufenthalt auf dem schwarzen Erdteil war die Zeit einer besonders harten und intensiven Arbeit. Der Kontinent unterlag gerade schmerzhaften Transformationen und Evolutionen; die Regierungen wechselten, es brachen Rebellionen und Aufstände aus. Überall dort, wo sich viel abspielte, war Kapuściński. Er konnte in genialer Weise einige Ereignisse vorhersehen und ihnen zuvorkommen. Diese Fähigkeit ergab sich aus der vorzüglichen Kenntnis und dem Überblick in Sachen Afrika. Kapuściński hatte einen guten Riecher für innere Spannungen, er hatte einen wahren Reporterinstinkt. Es entstand sogar eine witzige Anekdote, die sich Angestellte einer diplomatischen Vertretung mit Staunen erzählten: Kapuściński soll nach 4 Tagen Aufenthalt an einem Ort und regem Beobachten besser gewusst haben was da los war, als diese, die dort schon seit langem waren. Er war überall dort wo andere Angst hatten zu sein. Schon damals sprach er von sich, dass er nur über das schreibe, was er persönlich gesehen und erlebt habe. Oft hat er Leben und Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Ohne Zweifel war es ein Grund für seine große Popularität unter den Lesern. Direktes Ergebnis seiner Reise waren die Bücher "Schwarze Sterne" (1963) und "Wenn ganz Afrika..." (1969).

1968 kehrt er zurück in sein Heimatland zur Genesung nach einer Hirnhautentzündung und Tuberkulose. Er kann aber nicht ruhig an einem Ort sitzen bleiben, in kürzer Zeit bricht er Richtung Kaukasus auf; er bereist die südlichen Republiken der UdSSR. Das Resultat dieser Reise heißt "Der Kirgise steigt vom Pferde" (1968). Im selben Jahr verreist er für fünf Jahre nach Südamerika; er ist nacheinander Pressekorrespondent in Chile, Brasilien und Mexiko. Dort, ähnlich wie in Afrika, wird er Zeuge blutiger Unruhen und Umstürze. Die Früchte dieser Beobachtungen sind die Bücher: "Christus mit ’nem Gewehr auf der Schulter" und "Der Fußballkrieg" (1978). Kapuściński ist sehr rege, er kann nicht an einer Stelle länger verbleiben, sucht immer neue Themen. Den Aufenthalt in Südamerika unterbricht er und fährt nach Polen, um nach paar Monaten in Mexiko wieder Fuss zu fassen. 1974 besucht er Asien und Afrika, 1975 den Nahen Osten, 1975-76 Angola, was den Ausdruck im Buch "Wieder ein Tag Leben" (1976) findet. Sehr wichtige, mit diesem Lebensabschnitt verbundene Bücher sind "König der Könige" (1978) und "Schach-in-Schach" (1982). In diesen hat Kapuściński alle verwundert, wenn es um die Darlegung einer Reportage geht. Er verbindet die Eigenschaften eines Berichts mit denen eines Romans, gibt sich als ein vortrefflicher Schriftsteller zu erkennen. Diese Bücher haben einen breiten Widerhall in der Welt gefunden und brachten Kapuściński große Anerkennung. Besonders viel hatte man sich zu "König der Könige" geäußert, der die Kulissen des Kaiserhofes von Hajle Sellasje ans Licht brachte. Die Person des Kaisers enthüllt die allgemeinen Mechanismen dieser totalitären Staatsordnung. Hohes Niveau des Buches spiegelt sich in den Übersetzungen in 30 Sprachen wieder (u.a. japanisch und persisch). 1979 hat eine Bearbeitung für die Bühne große Begeisterung in Toronto, Amsterdam, Oslo und Budapest hervorgerufen.

Die 80-Jahre bringen eine Ruhepause. Kapuściński gibt zu erkennen, dass er Müde von dem Berichten über Revolutionen und Staatsstreiche ist. Aus dem Reporter wird ein Publizist, Schriftsteller, Dichter i Denker. Ausdruck davon ist die Gedichtsammlung "Das Notizbuch" (1986) und „Lapidarium“ (1990) - eine Reihe Aphorismen und Reflexionen übers Leben. Die Atempause dauert aber nicht lange an. Schon 1993 gibt er das "Imperium" heraus, ein Buch über seine Reisen in die südlichen Sowjetrepubliken. Das Buch beschreibt den Wandel, der dort nach dem Untergang der UdSSR eingetreten ist. Er vergleicht sie mit diesen aus dem Jahr 1968. "Imperium" stellt professionell das Leben im zeitgenössischem Russland dar. Er präsentiert Georgien, Afghanistan, Kirgisien und andere südliche Republiken als Länder mit reichhaltiger Kultur und Tradition. Das nächste Buch, das wieder ans Thema Afrika anknöpft, heißt "Afrikanisches Fieber" (1998). 2000 erscheint der vierte Teil der Lapidarien - "Lapidarium IV"*. Im Herbst 2000 kommt ein Fotoalbum "Aus Afrika" auf den Markt, der Bilder aus Kapuścińskis Afrikareisen beinhaltet. Nächstes Buch - "Lapidarium V"* (November 2002). 2003 erscheint das "Selbstporträt eines Reporters".

2004 kommen dann „Reisen mit Herodot“ und 2006 Gedichtsammlungen „Naturrechte“ und „Der Andere“ heraus.

* in Deutschland wurden Lapidarium IV und Lapidarium V in einem Band unter dem Titel „Notizen eines Weltbürgers“ herausgegeben.

Ryszard Kapuściński starb am 23. Januar 2007.

Verfasser dieser Biografie: Maciej Skórzewski

Aus dem Polnischen von Krzysztof Zakrzewski



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